Vom Naturprodukt zum Hightech-Werkstoff: Gummi blickt auf eine lange Geschichte zurück und überzeugt heute durch seine Vielseitigkeit. Entdecken Sie seine Herkunft, Herstellung und zahlreiche Einsatzgebiete.
Vom Naturprodukt zum Hightech-Werkstoff: Gummi blickt auf eine lange Geschichte zurück und überzeugt heute durch seine Vielseitigkeit. Entdecken Sie seine Herkunft, Herstellung und zahlreiche Einsatzgebiete.
Kautschuk wurde bereits von den indigenen Völkern Mittel- und Südamerikas genutzt, lange bevor er in Europa bekannt war. Im 18. und 19. Jahrhundert entstanden daraus erste Produkte wie Radiergummis, Regenmäntel und Gummi- stiefel.
Den entscheidenden Durchbruch brachte 1839 die Erfindung der Vulkanisation durch Charles Goodyear. Dadurch wurde Kautschuk dauerhaft elastisch und widerstandsfähig und legte den Grundstein für die vielfältigen Gummianwendungen, die heute aus Alltag und Industrie nicht mehr wegzudenken sind.
Die Entwicklung von synthetischem Kautschuk wurde vor allem durch die Rohstoffknappheit während der beiden Weltkriege vorangetrieben. Bereits im Ersten Weltkrieg gelang es Fritz Hofmann, mit Methylkautschuk einen Ersatz für Naturkautschuk zu entwickeln.
Ab 1935 produzierte die I.G. Farben den Styrol-Butadien-Kautschuk (SBR) unter dem Namen „Buna“ in industriellem Massstab. Auch die USA investierten ab 1941 verstärkt in den Aufbau eigener Produktionskapazitäten. Bereits 1943 übertraf die amerikanische Herstellung von synthetischem Kautschuk erstmals die deutsche Produktion.
Naturkautschuk wird hauptsächlich aus dem Hevea-Baum gewonnen. Durch das Anritzen der Baumrinde tritt ein milchiger Pflanzensaft aus, der als Latex bezeichnet wird. Dieser besteht überwiegend aus Wasser, während rund 25 bis 35 % aus Kautschuk bestehen.
Zu den wichtigsten Produzenten von Naturkautschuk zählen heute Thailand, Indonesien, Malaysia, Indien, China, Vietnam, die Elfenbeinküste und Nigeria. Trotz dieser bedeutenden Produktion werden weltweit rund 60 % des Kautschukbedarfs durch synthetisch hergestellten Kautschuk gedeckt.
Naturkautschuk besteht hauptsächlich aus Polyisopren und zeichnet sich durch seine gleichmässige Molekülstruktur aus. Ohne Vulkanisation verformt er sich unter dauerhafter Belastung.
Durch die Vulkanisation werden die Polymerketten miteinander vernetzt, wodurch Kautschuk seine typischen Eigenschaften erhält: hohe Elastizität, hervorragendes Rückstellvermögen und dauerhafte Formstabilität.
Gummi begegnet uns täglich: in Radiergummis, Luftballons, Handschuhen, Spielbällen oder Gummienten. Der grösste Teil des weltweit produzierten Kautschuks, rund 70 %, wird jedoch für die Herstellung von Reifen verwendet.
Weitere Anwendungsbereiche sind Latexprodukte sowie zahlreiche technische Produkte wie Schläuche, Dichtungen und Profile. Dank seiner Elastizität, Belastbarkeit und Viel- seitigkeit ist Gummi aus Industrie, Bauwesen und Alltag nicht mehr wegzudenken.
Darüber hinaus kommt Kautschuk in Matratzen, Moosgummi, Teppichrückenbeschichtungen, Kaugummi und vielen weiteren Spezialanwendungen zum Einsatz. Seine einzigartigen Eigenschaften machen ihn zu einem der wichtigsten Werkstoffe unserer modernen Welt.